Feuerwerk bei schlechtem Wetter

Es kann vorkommen, dass ein geplantes Feuerwerk kurzfristig abgesagt werden muss. Entweder ist der verantwortliche Feuerwerker wegen ungünstiger Witterung zur Absage gesetzlich gezwungen oder es ergeht eine entsprechende kurzfristige behördlichen Anordnung.

Bei einer behördlichen Anordnung (z.B. wegen Gefahr im Verzug) und im Falle einer witterungsbedingten Absage handelt es sich um "höhere Gewalt". Da hieran keine Vertragspartei Schuld trägt, sehen unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (im Gegensatz zu anderen Mitbewerbern) vor, dass alle bis dahin tatsächlich angefallenen Kosten (Büro- und Werkstattarbeit, Auslagen und ggf. Lohn- und Fahrkosten) von beiden Vertragsparteien zu gleichen Teilen zu tragen sind. Nicht verbrauchtes und unbeschädigtes/trockenes Material geht zurück auf Lager und somit fallen (außer bei Sonderanfertigungen) keine Materialkosten an.

Während kurzfristige behördlichen Absage recht unwahrscheinlich sind, muss man heutzutage eher mit schlechtem Wetter rechnen. Die größten Feinde der Feuerwerkerei sind die extremen Varianten von Wind, Regen und besonders der Trockenheit.

Wind: Jeder frei fliegende Körper wird vom Wind beeinflusst - er nimmt diesen Körper in seine Richtung mit. Dieser Windversatz kann so groß werden, dass der Körper (brennender Stern, Bombe, Bombette...) den Sicherheitsbereich verlässt. Um das zu verhindern, sind ab einer Windgeschwindigkeit von 9 m/s = 32 km/h bestimmte Maßnahmen erforderlich. Bei deutlich höheren Geschwindigkeiten darf nur noch Bodenfeuerwerk verwendet werden.

Regen: Schwarzpulver und pyrotechnische Sätze vertragen sich schlecht mit Feuchtigkeit, da sie die Reaktions-geschwindigkeit verringert, wasserlösliche Stoffe aus den Gemischen herauslöst oder Metalle mit ihr selbstentzündlich reagieren können. Daher werden Feuerwerkskörper möglichst wasserdicht verpackt und auf dem Abbrennplatz gegen Regen sowie gegen Feuchtigkeit aus Boden und Luft geschützt.

Das funktioniert so gut, dass normaler Sprüh- und Landregen dem Material kaum etwas anhaben kann. Nur Starkregen (Gewitter) und lang anhaltende Einwirkung hoher Feuchte kann dem Material zusetzen. Natürlich kann auch ein Blitz (durch direkten Einschlag oder Induktion in den Zünderdrähten) das Feuerwerk auslösen. Da aber Gewitter gewöhnlich schnell vorbei ziehen, kann man die Sache in sicherer Entfernung einfach aussitzen.

Trockenheit, Theorie: In unserem Fall definieren wir Trockenheit als die Materialfeuchte brennbarer Stoffe, also dem Wassergehalt in Getreide, Gras, Unterholz, Laub oder eben Pulver. Ein hoher Wassergehalt behindert die Entzündung dieses Materials, weil das Wasser zunächst verdampft werden muss und dieser Vorgang eine erhebliche Menge der eingebrachten Energie verbraucht, welche dann für die Zündung des Materials nicht mehr zur Verfügung steht. Eine geringe Materialfeuchte (große Trockenheit) erhöht also die Brandgefahr.

Entgegen der üblichen Annahme ist die Materialfeuchte jedoch nicht direkt von der Temperatur abhängig, sondern von der relative Luftfeuchte, also dem spezifischen Wasserspeichervermögen der Luft bei unterschiedlichen Temparaturen. Im Freien ist brennbares Material bei -20° C häufig sehr viel trockener als bei +20° C, denn 1 m³ Luft kann bei -20° C winzige 0,9 g Wasser aufnehmen, bei +20° C jedoch gewaltige 17,3 g - also das 19-fache!

Bei Regenmangel, Wind und lang anhaltender Hitze wird viel der Materialfeuchte verdampft (getrocknet). Zudem wird bei großer Hitze auch die notwendige Zündtemperatur schneller erreicht. Unter diesen Bedingungen fördert also auch große Hitze die Brandgefahr.

Trockenheit, Praxis: In den letzten 15 Jahren haben wir kein einziges Feuerwerk absagen müssen - in 2019 aber die Hälfte unserer Shows ... Extreme Trockenheit ist der größte Feind des Feuerwerks, kommt aber selten vor. Hoffentlich bleibt es auch so ...

Die hierbei immer wieder erwähnte Waldbrandgefahr ist für uns übrigens recht bedeutungslos, da das Thüringer Waldgesetz (§12) ohnehin verbietet, sich dem Wald mit offenem Feuer auf weniger als 100 m zu nähern. Zudem zählt nicht jede große Baumgruppe als Wald. Über die Möglichkeit, an geeigneten Stellen in großen Waldgebieten (z.B. Südthüringen) Feuerwerke durchzuführen, entscheiden die örtlichen Forstämter im Einzelfall.

Anders sieht es im Bereich Feld und Wiese aus. Hier hat der Grasland-Feuerindex großen Einfluss auf Feuerwerke. Während Nadeln und Blätter an Bäumen auch bei Trockenheit viel Wasser enthalten und damit unzündbar sind, besitzen erntereifes Getreide, totes Unterholz, vertrocknetes Gras und Laub kaum Feuchtigkeit. Und steht der Wind ungünstig, dann marschiert die Flammfront mit etlichen m/s durchs Getreidefeld: Die Bauern werden sauer sein ...

Doch wieder greift rettend die relative Luftfeutigkeit ein: Bekanntlich finden Feuerwerke nachts statt - die Lufttemperatur sinkt und das in ihr enthaltene Wasser schlägt sich als Tau an den Halmen nieder. Auch nach heißen Tagen bekommt man nachts in den Wiesen nasse Füße und die Brandgefahr am Boden sinkt erheblich ...

Fazit: Kaum Einschränkungen für Profi-Feuerwerker

In den Jahren 2018 und 2019 nahm die Trockenheit in Thüringen ständig zu, was aus der Sicht des Brandschutzes ein erhebliches Problem darstellen kann. Daher ist bei Feuerwerken erhöhte Vor- und Weitsicht gefragt. Im Allgemeinen trauen die Behörden dies den Profi-Feuerwerkern zu, denn sie können die Brandgefahr einschätzen und in Zusammenarbeit mit der (meist Freiwilligen) Feuerwehr auch vorbeugende Maßnahmen (z.B. Wässerung des Abbrennplatzes) ergreifen. Nur bei extremen Wetterlagen wird ein Feuerwerk abgesagt werden müssen.

Somit gibt es auch bei schlechtem Wetter keinen Grund, im vorauseilenden Gehorsam von vornherein auf ein Feuerwerk zu verzichten. Eine Anfrage kann ohnehin nicht schaden, zumal der Feuerwerker für sein Tun oder Unterlassen immer selbst verantwortlich ist - niemals der Auftraggeber.

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage und wir beraten Sie gern!



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